Axel Schröder-Wangen – Der „Wintermaler“

Erntezeit
*
In so manchen Abendstunden
genoss ich Geselligkeit und Spiel.
Gemeinsame Wahrheiten haben wir gefunden
Erzählt haben wir so viel.
*
Ein jeder gab dem Anderen Leben
auf seinem Weg, und Rat und Tat
nahm ich an und habe vergeben,
was davon schwer auf meinem Herzen lag.
*
Wer zuerst die Rebe anbaut,
wer zuletzt den Wein austrinkt,
wer es sich verbindend anschaut,
weiß, wie gutes Leben gelingt.
 *
2016 © Simone Richter
*
*
*

 

Axel, du hast in Hannover und Goslar gelebt. Was hat dich nach Heiligenhafen geführt? Was gefällt dir an Heiligenhafen besonders?

Ursprünglich komme ich aus Hannover. Dort habe ich meine Zeit bis zum 19 Lebensjahr im Elternhaus verbracht, Schule, Abi, viel Sport, ich war ungefähr Leistungsruderer, 6 mal die Woche Training, die ersten Freundinnen etc…. Aber Du woltest sicher wissen, wo ich die letzte längere Zeit verbracht habe und das war in Goslar, 36 Jahre am Christian-von Dohm-Gymnasium als Oberstudienrat mit den Fächern Politik und Sport, Beratungslehrer, Austauschprojekt mit Norwegen, Comenius-Austauschprojekte, Sozialprojekte, Tanztheater… als ich noch jünger war, danach Cabaret/Kabarett, danach viele Jahre viele Musicals.
Nach Heiligenhafen sind wir (also meine norwegische Frau und ich) durch Stopps hier von Norwegen zurück in die Heimat gekommen. Da standen wir immer dort, wo jetzt die Bretterbude gebaut wurde und haben abends die Klappstühle unter den Arm genommen, 50m zum Strand und in die Dünen, einen Schoppen Rotwein dabei. Dann haben wir es uns beim Sonnenuntergang gut gehen lassen. Nach meiner Pensionierung im Jahr 2013 haben wir uns in 2015 entschlossen, an die Ostseeküste zu ziehen. Es hat uns einfach hier so gut gefallen, und wir wollten einfach noch mal eine Veränderung im Leben haben.

Wie bist du zur Malerei gekommen? Was macht deine Malerei aus? Was ist das Bezeichnende?

Das wusste ich schon vor der Pensionierung, dass ich mir ein neues Hobby zulegen würde. Alle unken ja vom großen
Pensionierungsloch, wenn man während der Berufszeit immer sehr aktiv gewesen ist, aber das wollte ich mir ja nicht sagen lassen.
Ich habe an meine Bilder im Spezialkurs Kunst in der Oberstufe angeknüpft. Da habe ich auch viel neben dem Sport gemalt, allerdings mehr im Zusammenhang des Kunstunterrichts und eher politisch und sozialkritisch motivierte Exemplare. In den Urlauben sind wir außer Norwegen auch oft in Südfrankreich gewesen, ich liebe die Provence und die Farben dort. Die dortigen Künstler benutzen oft kräftige Farben, was irgendwie dort am südlichen Himmel vielleicht auch besser passt als hier, aber dennoch, ich bin schon davon inspiriert und suche dort viel Motive. Insgeheim habe ich schon über Jahre viele Eindrücke abgespeichert, und das kommt eben jetzt so dabei raus. Ich schieße Fotos und setze die dann um, probiere mich aber noch, inspriert durch so manchen französischen Künstler in verschiedenen Stilen aus.So richtig habe ich einen für mich markanten Stil noch nicht gefunden, aber das kann man wohl auch nicht nach so kurzer Zeit erwarten.

Wer oder was inspiriert dich?

Die südfranzösischen Landschaften der Provence haben mich schon immer sehr stark angesprochen… und ich habe dort viele Museen und Galerien und Kunstmärkte besucht. Die Atmosphäre dort auf den Märkten und überhaupt auch in den Dörfern finde ich einfach super. Der Petit Café, ein kleiner Pastis, ein paar Oliven, ein Stücke Camenbert, das Pétanquespiel /Boules an jeder Ecke, die Begegnungen, c`est la vie en France, einfach formidable!

Wie kam es zu dem Namen „Wintermaler“?

Das ist ganz einfach: im Sommer habe ich andere Hobbies und keine Muße für`s Malen. Segeln, Reisen, Enkelkinder, Familie und Freunde besuchen oder einladen, ich koche nämlich auch sehr gerne, auch eine kreative Seite von mir.

Was an deinem Beruf als Gymnasiallehrer war für dich Berufung?

Neben meinem eigenen Rudertraining habe ich ab der 11. Klasse auch die jüngeren Mannschaften mit trainiert. Da habe ich gemerkt, dass mir der Umgang mit jüngeren Menschen gefällt, dass ich etwas rüberbringen kann. Das Interesse am Sport (ich war neben der Leistungsruderei eigentlich auch vielseitig im Sport begabt) wuchs genauso, wie am Fach Wirtschaft,Politik und Soziales. An unserer Schule war ich auch mehrere Jahre in der SV als Sozial- und Kulturrefent tätig, organisierte u.A. nahezu kostenfrei Nachhilfe. Das Studium an der TU Braunschweig gestaltete sich im Bereich Sport sehr praxisnah, und ich spürte, dass der Lehrerberuf für mich absolut richtig war. Auch im Referendariat in Göttingen setzte sich dieser Eindruck fort. In Goslar blieb ich dann unserem Gymnasium bis zum Schluss verbunden, da ich mit einem Großteil des Lehrerkollegiums freundschaftlich verbunden war und weil unsere Schule zumindest in den ersten 2 Jahrzehnten eine hervorragende Ausstattung hatte. Ein Wechsel hätte nur schlechtere Bedingungen bringen können. Neben den Fächern Sport und Wirtschaft/Politik entdeckte ich auch viele andere kulturelle Schwerpunkte meiner Arbeit, wie ich sie schon zur ersten Frage beschrieben habe. Ich war immer sehr gerne Lehrer und habe nichts bereut. Lediglich die letzten Jahre fielen mir durch drastische und für mich nicht immer nachvollziehbare Veränderungen sowie vermehrt einsetzende Krankheiten sehr schwer, weshalb ich dann etwas früher in die Pensionierung gegangen bin.

Musik spielt ebenfalls eine große Rolle in deinem Leben. Du hast Musical-Projekte umgesetzt, spielst Klavier und singst im Holy Habour Gospel Choir zusammen mit deiner Frau Marit. Findet die Musik auch Ausdruck in deinen Bildern?

Darüber habe ich, ehrlich gesagt, noch nicht nachgedacht. Mag sein, dass die Musikalität auch auf die Gestaltung und Farbgebung Einfluss hat. Mein Engagement für das Theater prägt ein wenig auch die Clownmalereien. Einige Jahre hatte ich mit einem Theaterprojekt Cabaret (Revue/Unterhaltung) / Kabarett (Politisches) auch einige Clownszenen umgesetzt, schwer beeindruckt durch den Clown, Liedermacher und Poet Herman van Veen, den ich sehr vereehre. Die Clownbilder habe ich ansonsten eher für meine Enkelkinder gemalt.

Wenn du dein kreatives Schaffen noch einmal betrachtest: Was war die größte Herausforderung und was dein gelungendstes Werk?

Naja, Du hast mich mit dem Thema der Ausstellung ganz schön gefordert, denn ich bezog die „Begegnungen“ erst mal auf Menschen, und die hatte ich, bis auf wenige Ausnahmen bis dahin noch nicht gemalt. Die größte Herausforderung waren die Großportraits in „Sehnsucht“, und ich finde die ziemlich gelungen. Ich war selber sehr überrascht, das ich das so recht ausdrucksstark hinbekommen habe. Eigentlich habe ich bisher eher Landschaftsmalerei betrieben, aber jetzt hat mir die Zusage zur Teilnahme an Deiner Auststellung doch Mut gemacht, auch in dieser Richtung weiterzuarbeiten.

Auf deinem Blog www.wintermaler.blogspot.de bekommt man einen guten Einblick in dein malerisches Schaffen und demnächst auch in der Ausstellung Poetische Begegnungen im Finanzamt Oldenburg in Holstein. -Beschreibe, was man zu sehen bekommen wird von dir…

Ja, wie schon erwähnt, war das Thema der Auststellung eine ziemliche Herausforderung für mich. Aber ich hatte Lust, mich dieser zu stellen. So habe ich in einem knappen halben Jahr 7 Bilder dazu gemalt. Zunächst wird durch die Vielartigkeit deutlich, dass ich noch in der Suchbewegung bin, es gibt landschaftorientierte Bilder, eine Clownszene, ein Portraitwerk, als Taucher die Beschäftigung mit dem Phänomen Ozean und Unterwasserwelt, wovor ich großen Respekt habe. Auch stilistisch sind die Werke sehr abwechslungsreich. Inhaltlich könnte ich als Stichpunkte anführen:
Sehnsucht, Wehmut, Liebe, Traum und Magiewelten, Furcht, Respekt, Begegnungen in einer sehr südländischen Landschaft mit warmen Farben, wodurch auch die die menschliche Nähe und Wärme zu spüren ist, auch wenn es im Bild „Boules“ einen wenig beachteten Bettler am Straßenrand gibt, durch den zumindest am Rande deutlich wird, dass nicht alles Gold ist in dieser Welt.

Ich danke Dir, liebe Simone, dass Du mir die Beteiligung an dieser Ausstellung ermöglicht hast.

Sehr gerne, Axel! Das nächste Projekt ist schon im Sinn…

*

Interview: Simone Richter 2016

Bild/Foto: 2016©Axel Schröder-Wangen, „Weinlese in der Provence“, Öl auf Leinwand, 140 x 80 cm

*

*

*

Kommentar verfassen