Wenn mit 66 Jahren der Traum von Freiheit wahr wird: VeganBikeTravel-Tour durch Skandinavien

Wer hat ihn nicht, diesen Traum, einmal durch die Welt zu reisen, frei zu sein, ungebunden von allen Verpflichtungen, sich selbst in der Welt und anderen ganz neu zu begegnen… So wird jederTraum, der weit darüber hinaus geht als nur zwei Wochen Urlaub zu machen, zu einer Heldenreise zu sich selbst.

Andreas Lorenz, 66 Jahre jung, startete am 01. Mai 2017 von Eutin aus mit seinem Fahrrad zu einer fünfmonatigen Skandinavien-Tour. Nachdem seine Familie und seine Freunde ihn am Vormittag mit allen guten Wünschen verabschiedeten, führte seine erste Etappe nach Oldenburg. In seinen Erzählungen brennt das Feuer seines Traumes, der jetzt wirklich geworden ist…

Andreas beginnt: Wir haben gerade darüber gesprochen, dass es so toll ist, neue Erfahrungen zu machen und zu lernen, – das erlebe ich im Augenblick so. Ich bin jetzt 66 Jahre alt, und dadurch dass ich meine Tour auch mit Technik begleite, die Abschnitte zB. am PC geplant habe, einen Blog erstellt habe, wo ich bis vor Kurzem noch nicht einmal wusste, wie man das schreibt, da finde ich es so spannend, diese Erfahrung zu machen. Ich merke, wenn ich mich mit Leuten aus meiner Generation unterhalte, dass viele an einem Punkt sind, an dem sie keine Lust mehr haben, etwas Neues zu erlernen. Es sei denn, sie haben noch beruflich damit zu tun, wo ich vor ein-zwei Jahren auch war, und dachte: Das brauche ich alles nicht, was soll das alles… Diese Chancen habe ich überhaupt nicht gesehen, die da drin sind in den sozialen Medien. Und jetzt nutze ich das selbst, gefiltert, weil ich mich noch immer nicht damit auskenne. Aber der Reiseblog macht mir so einen Spaß…

Du hast ja vorhin erzählt, wenn man von einer Sache inspiriert ist, dann macht es Freude, sich da einzuarbeiten. Das erlebe ich! Das ist toll.

Du hast dir fünf Monate Zeit vorgenommen, um auf deinem Fahrrad durch Skandinavien zu fahren., und dennoch gut in der Verbindung zu bleiben mit den Menschen, die dir am Herzen liegen. Wer begleitet dich, wer unterstützt dich?

Familie und Freunde begleiten mich indirekt. Ich habe vor längerer Zeit schon einmal eine Tour gemacht über 3 Wochen, und da habe ich zwischendurch gemerkt, dass ein Einsamkeitsgefühl hoch kommt, dass ich mich nicht richtig austauschen kann. Es gab Momente, da sah ich andere miteinander reden, lachen, und ich saß abseits und fühlte mich irgendwie zurückgezogen.

So möchte ich nicht noch einmal fahren, sondern ich will verbunden sein mit Menschen, um das auch austauschen zu können, was ich erlebe. Für mich ist geteilte Freude viel größer als wenn ich es alles nur in mich hinein schaufle. Deshalb habe ich es gemacht. Meine Frau, meine Kinder und viele Freunde sind begeistert davon und freuen sich, dass der Vater seine Sache macht. Mir tut es gut das zu machen, weil ich spüre, dass ich die Energie dazu habe, das ist einfach schön, weil ich mich auch gesundheitlich so fühle, und nicht irgendwo in Wartezimmern warte oder auf meinem Balkon die Geranien angucke. Nein, ich bin unterwegs, ich bleibe beweglich.

Für meine Kinder finde ich es toll, sie sehen dadurch: Auch wenn man älter wird kann man tolle Sachen machen. Denn vor 20/30 Jahren dachte ich damals noch, dass ich in meinem jetzigen Alter schon längst tot sein würde. Mein Vater ist mit 52 gestorben. Damals dachte ich so.

Vielleicht tragen wir in Friedenszeiten die Jugend ja auch immer weiter ins Alter hinein.

Einer deiner Söhne ist technisch sehr begabt und hat den Anfang deiner Reise mit einer Drohne dokumentiert. Das sind sehr schöne Videoaufnahmen, die man auf deinem Blog sehen kann. Darüber hinaus hast du vor, viele Impression zu veröffentlichen, deine Gedanken zum Tag und zu den Begegnungen, wie ein öffentliches Tagebuch. Möchtest du damit inspirieren?

Das ist nicht meine Zielsetzung. In erster Linie mache ich es für mich, ich möchte meine Freude jedoch daran teilen. Wenn es Menschen gibt, die sich dadurch inspiriert fühlen, das aufnehmen wollen, dann finde ich es schön.

Was verbindet dich mit Skandinavien?

Die Natur, die Farben und die Kraft, die da drin ist. Ich komme ursprünglich aus Berlin, und es zieht mich in die Ruhe. Im Süden wäre es sicherlich wärmer, um zu zelten, aber das nehme ich in Kauf, dass es etwas umständlicher ist und genieße dann eine einsame Stelle am See. Durch dieses Jedermannsrecht, kostenlos eine Nacht bleiben zu dürfen, ist das sehr einfach und toll.

Und sollte es mal mit dem Zelten nicht gehen, da habe ich zwei interessante Apps für mich gefunden: Einmal Couchsurfing und das Zweite ist Warmshowers. Beide sind unkompliziert und leicht zu bedienen, und es gibt auf diesen Plattformen gastfreundliche Menschen, die auch kurzfristig eine Übernachtung anbieten. Couchsurfing ist allgemein für Reisende, Warmshowers ist von Radfahrern für Radfahrer.

Was sind deine fünf wichtigsten Utensilien, auf die du auf gar keinen Fall verzichten kannst?

Schlafausrüstung

handbetriebene Saftpresse

Superfoodpulver

technische Ausrüstung

Fahrrad mit Riemenschaltung, so dass ich auch die Steigungen in den Fjorden schaffen kann

Was ist deine größte Motivationsquelle?

Ich möchte ein selbstbestimmtes Leben führen. Abends möchte ich mir sagen können: Das war ein super Tag, ich habe mich weiterentwickelt, ich habe nur das gemacht, was ich wollte, und später einmal: Ich habe das Größtmögliche aus meinem Leben gemacht.

Trotz aller Planungen, welche Freiheiten gibst du dir?

Mich treiben zu lassen. Wenn meine Frau und ich feststellen, dass diese Trennung zu lang ist, dann nehme ich mir die Freiheit , eine andere Lösung zu finden. Ich habe ein Konzept, nach dem ich gerne fahren möchte und habe einen Zeitraum, aber wenn es irgendwo schön ist, dann bleibe ich da. Das ist die Freiheit, die ich habe, zum ersten Mall ist nichts vorgegeben in dieser Form in meinem Leben. Ich mache, was ich will, nicht, was ein anderer mir vorgibt. Natürlich stimme ich mich ab mit den Menschen, die mir lieb sind. Ansonsten habe ich mir Etappen gesetzt, ca 30 km im Schnitt, das ist wohl machbar.

Woran kann ein Mensch erkennen, dass ein Traum oder eine Phantasie auch unbedingt umgesetzt werden sollte?

Ich merke es bei mir körperlich mit einem Kribbeln im Bauch. Wenn ich morgens aufwache, oder sogar nachts, und mich mit etwas aus diesem Thema beschäftige, wenn es mich so fesselt, dass ich darin eine Energie spüre, die raus will, die verwirklicht werden will. Die Seele brennt dafür.

Gibt es etwas auf deiner Reise, das du gerne erleben möchtest, was du allerdings überhaupt nicht planen kannst, das du dir aber wünschen würdest?

Tiefes Glücksempfinden, Rührung und Dankbarkeit. Das ist mir hier bei dir widerfahren gleich zu Anfang durch deine Offenheit, dafür danke ich dir!

Ich danke dir auch sehr, Andreas und wünsche dir für deine Reise viele wundervolle Erlebnisse und Begegnungen.

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Du kannst Andreas auf seinem Reiseblog -> VeganBikeTravel begleiten, an seinen Gedanken und Impressionen teilhaben, ihm eine Unterkunft auf seinem Weg anbieten oder einen Reisesegen als Kommentar hinterlassen.

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